19. Februar 2013

China: Unternehmer bietet Umweltbeamten 30.000 Euro für eine Runde Schwimmen in verseuchtem Fluss

Ein unmoralisches Angebot? In der chinesischen Provinz Zhejiang hat ein Unternehmer dem Umweltschutzbeauftragten seines Heimatdorfes Ruian umgerechnet fast 30.000 Euro angeboten.

Dafür sollte der Beamte 20 Minuten in einem völlig verseuchten Fluss schwimmen, der durch das Dorf fließt. Journalisten und Bürger des Dorfes werfen den Textilfabriken in der Gegend vor, illegal giftige Industrieabfälle in natürlichen Gewässern zu entsorgen. Mit dem Angebot wollte der Mann die Regierung in Peking auf die Umweltprobleme seiner Heimat aufmerksam machen. Die lokalen Behörden versprachen, die Situation zu untersuchen.

Auch in der nordchinesischen Provinz Shandong hat die Verschmutzung von Gewässern zu Protesten geführt. Dort enthüllte ein Journalist, dass zahlreiche Chemiefabriken heimlich giftige Abwässer in Grundwasservorkommen gepumpt hatten, um die Umweltauflagen zu umgehen. Die Aktion des Unternehmers aus Zhejiang hat bereits Nachahmer gefunden.

In China gibt es eigentlich sehr strenge Gesetze, die das Verklappen von Industrieabfällen in die Umwelt verbieten. Allerdings befürchten lokalen Behörden Skandale oder wollen schlicht das "Top-Unternehmen"ihrer Region schützen.

Gewässerverschmutzung ist derzeit Thema Nummer eins auf Chinas Twitter-Pendant Weibo. Der Zeitpunkt, zu dem das Thema Gewässerverschmutzung aufkommt, ist nicht zufällig: Über das chinesische Neujahr sind Millionen von Chinesen in ihre Heimatstädte gereist und haben dort nach langer Zeit die Flüsse, in denen sie früher gebadet und Wäsche gewaschen haben völlig verseucht vorgefunden.

Quelle: DRadio Wissen Lizenz: Creative Commons Licence: Namensnennung, keine kommerzielle Nutzung, keine Bearbeitung (BY-NC-CD)