20. Juni 2013
Der türkische Premierminister Recep Tayyip Erdogan beruft sich gerne auf die osmanische Geschichte.
Aber er kennt sie nicht gut genug, sagt der Historiker Ilber Ortayli in einem Interview in der "Süddeutschen Zeitung". Der langjährige Direktor des Istanbuler Topkapi-Museums ärgert sich darüber, dass Erdogans Kritiker ihn als "Sultan" verspotten. Denn Sultane, so Ortayli, waren hervorragend gebildete Menschen. Sie prahlten nicht mit ihrem Wissen, sondern sorgten dafür, dass die Gesellschaft vereint blieb. Erdogan verstehe das nicht. Stattdessen herrsche in seinem System Klientelismus nach Clan-Zugehörigkeit.
Laut Ortayli haben auch die jungen Demonstranten ernsthafte Bildungslücken, wenn es um die Geschichte geht. Aber sie wüssten viel mehr über die Welt da draußen als die ältere Generation - und auch als Erdogan. Nur habe das der Premier noch nicht begriffen.
Quelle: DRadio Wissen Lizenz: Creative Commons Licence: Namensnennung, keine kommerzielle Nutzung, keine Bearbeitung (BY-NC-CD)