17. Juli 2013

Rechtsextremismus-Experte in der "Taz": Ein Ausstieg geht nur mit komplettem Cut

Ein bisschen aussteigen geht nicht.

Diese Ansicht vertritt Reinhard Koch, Leiter der Arbeitsstelle Rechtsextremismus und Gewalt in Braunschweig, der auch Aussteiger betreut. In der "Tageszeitung" weist er auf den Fall von Holger G. hin, einem der Angeklagten im NSU-Prozess. Der behauptet, er habe sich schon vor Jahren von der rechten Szene gelöst und dem Terror-Trio nur aus Freundschaft geholfen. Das sei selbstentlarvend. Denn: In der rechten Szene seien Treue und Kameradschaft zentrale Werte. Diesem moralischen Druck habe Holger G. sich nicht entziehen können. Wer wirklich aus der Szene aussteigen wolle, müsse alle Freundschaftsbeziehungen komplett abbrechen.

Koch erklärt, in seinen Projekten führe die Frage, wie weit die Trennung gehen muss, immer zu großen Diskussionen. Daran zeige sich, wer es wirklich ernst meint. Einigen Aussteigern gehe es nämlich nur um das Außenbild. Sie machten das Projekt mit, um Eltern zu beruhigen oder einen Ausbildungsplatz zu bekommen. Er verlange aber, dass die Aussteiger alles auf den Prüfstand stellten: ihre Biographie, ihr Verhalten und ihre Weltanschauung.

Quelle: DRadio Wissen Lizenz: Creative Commons Licence: Namensnennung, keine kommerzielle Nutzung, keine Bearbeitung (BY-NC-CD)