23. Juli 2013
Nur was wirklich besser wirkt, darf auch mehr kosten.
So ist die Regel in Deutschland, wenn ein neues Medikament auf den Markt kommt. Spiegel Online berichtet jetzt über einen Preisvergleich des Pharma-kritischen Fachblatts "Arznei-Telegramm". Der habe gezeigt, dass es offenbar trotzdem teure Schein-Innovationen gibt. Das Blatt hat Preise und Wirksamkeit neuer Medikamente mit denen von Standardtherapien verglichen. Besonders heftig sei der Unterschied bei der Therapie von Prostatakrebs. So kostet die Standardtherapie laut Fachblatt rund 50 Euro pro Jahr. Eine Therapie mit einem neuen Krebsmittel koste dagegen jährlich rund 80.000 Euro - dabei biete das Medikament allenfalls einen geringen Zusatznutzen.
Hintergrund: Wenn ein Hersteller ein neues Medikament auf den Markt bringt, kann er nur im ersten Jahr den Preis selbst festlegen. Danach bewertet ein Ausschuss von Ärzten, Kassen und Krankenhäusern den Zusatznutzen des Medikaments. Gibt es einen, verhandeln Hersteller und Kassen anschließend über einen Rabatt auf den ursprünglich vom Hersteller festgelegten Preis. Gibt es keinen, wird das Medikament in eine Festbetragsgruppe eingeordnet oder der Kassen-Spitzenverband handelt mit dem Hersteller einen sogenannten Erstattungsbetrag aus. Nur Medikamente mit echtem Mehrwert sollen teurer sein als ältere, günstige Mittel. Ziel ist es, die Ausgaben der gesetzlichen Kassen für Medikamente dauerhaft zu reduzieren.
Quelle: DRadio Wissen Lizenz: Creative Commons Licence: Namensnennung, keine kommerzielle Nutzung, keine Bearbeitung (BY-NC-CD)