25. Juli 2013
Landkarten und Ländergrenzen sind nicht nur eine geografische, sondern auch eine politische Angelegenheit.
Das merkt gerade die Redaktion des Magazins "zenith - Zeitschrift für den Orient". Auf dem Titel ihrer aktuellen Ausgabe ist eine Karten-Illustration des fiktiven Staats Kurdistan abgebildet - dazu die Überschrift "Ist dieses Land noch zu verhindern?" Das sorgt in der Türkei für Unmut. Türkische Zeitungen reagierten mit Schlagzeilen wie "Grenzenlose Frechheit: Deutschland hat die Türkei geteilt". Die rechtsnationalistische Partei MHP verlangt von der Zeitschrift sogar Entschädigungen für Angehörige von Opfern des Konflikts mit der PKK. Auf dem Facebook-Account von "zenith" wird das Thema ebenfalls kontrovers diskutiert.
Die Redaktion berichtet außerdem von massiven Hacker-Angriffen auf ihre Online-Domain, die offenbar aus der Türkei stammten. Die Zeitschrift hat deswegen beim Landeskriminalamt Strafanzeige erstattet.
Chefredakteur Daniel Gerlach weist bei "Spiegel Online" Kritik an seinem Heft zurück. Man maße sich nicht an, die politische Geografie der Region zu definieren. Als unabhängiges Magazin wolle man nur eine Debatte dazu anregen und auch über Sinn und Unsinn von Nationalstaatlichkeit insgesamt diskutieren.
Schätzungen zufolge gibt es weltweit bis zu 30 Millionen Kurden. Das Volk blickt laut dem Bonner Zentrum für kurdische Studien auf rund 5.000 Jahre Geschichte zurück. Trotz ihrer langen Geschichte gab es nie ein "Kurdistan". Nach dem Zusammenbruch des Osmanischen Reiches wurde den Kurden im Vertrag von Sèvres 1920 zwar ein eigener Staat zugesprochen. Im Lausanner Friedensvertrag drei Jahre später wurde das jedoch nicht eingehalten - sondern das ehemalige osmanische Kurdengebiet auf mehrere Länder verteilt, unter anderem die Türkei. Dort lebt knapp die Hälfte aller Kurden weltweit. Seit 1984 kämpft dort auch die als Terrororganisation eingestufte Arbeiterpartei PKK um mehr Unabhängigkeit. In dem Konflikt wurden bislang 45.000 Menschen getötet. Inzwischen fordert die PKK allerdings keinen eigenen Staat mehr, sondern eine größere politische und kulturelle Eigenständigkeit der Minderheit.
Quelle: DRadio Wissen Lizenz: Creative Commons Licence: Namensnennung, keine kommerzielle Nutzung, keine Bearbeitung (BY-NC-CD)