16. August 2013
"Deutschland ist in Griechenland derzeit unbeliebter als die Türkei."
Das hat der Historiker Hagen Fleischer beobachtet, der seit 1980 an griechischen Unis Neuere Geschichte lehrt. Im Interview mit der "taz" analysiert er, welche Rolle dabei die Verbrechen der Wehrmacht in Griechenland spielen. Das Thema sei noch viel zu wenig bekannt. Deutsche Politiker hätten zwar schon Gedenkstätten besucht, aber das Wort "Entschuldigung" fehle bis heute.
Auch auf griechischer Seite sieht der Historiker Fehler. In Politik und Presse regiere derzeit die Logik, wer die höchste Summe bei Entschädigungen für Kriegsschäden durch die Deutschen stelle, sei der größte Patriot. Viele Forderungen seien realitätsfremd. Aber es existierten auch andere Wege der Versöhnung als durch Reparationszahlungen. Zum Beispiel eine deutsch-griechische Schulbuchkommission, wie es sie so ähnlich schon anderswo gebe. In deutschen Schulbüchern stehe bisher nur, dass die Wehrmacht 1941 in Griechenland einmarschierte und Ende 1944 wieder abzog. Was die Deutschen dazwischen machten, bleibe der Phantasie überlassen, sagt Fleischer - es sei aber wohl kaum nur ein Bad in der Ägäis gewesen.
Quelle: DRadio Wissen Lizenz: Creative Commons Licence: Namensnennung, keine kommerzielle Nutzung, keine Bearbeitung (BY-NC-CD)