24. Oktober 2013

Die Gallier hatten Nationalbewusstsein und Basisdemokratie

Von wegen die Gallier waren im Vergleich zu den Römern rückschrittlich.

Der französische Historiker Jean-Louis Brunaux vertritt im Wissensmagazin "Spektrum" ganz andere Thesen. Seiner Einschätzung nach hatten die gallischen Stämme im zweiten Jahrhundert vor Christus, also vor der Eroberung durch die Römer, bereits ein ausgeprägtes Nationalbewusstsein. In dem französischem Gebiet zwischen Alpen, Mittelmeer, Atlantik und Rhein hätten zwar verschiedene Volksgruppen gelebt, etwa Kelten, Belgen oder Aquitanier. Er sei aber davon überzeugt, dass sich die Menschen innerhalb dieser Grenzen als Gallier empfanden. Damit widerspricht Brunaux auch der Meinung einiger Historiker-Kollegen, die Gallien als eine Erfindung Cäsars betrachten.

Außerdem seien die Gallier in ihrer demokratischen Entwicklung den Römern nicht unähnlich gewesen. So hat laut Brunaux jedes Jahr eine stammesübergreifende Versammlung aller Druiden stattgefunden. Die Entscheidungen dieser Stammesvertreter seien verbindlich für alle gewesen. Genau wie in Rom habe es außerdem große Versammlungplätze für mehrere tausend Menschen gegeben. Wie auf dem Marsfeld in Rom hätten die Bürger hier über wichtige Entscheidungen gemeinsam abgestimmt.

Quelle: DRadio Wissen Lizenz: Creative Commons Licence: Namensnennung, keine kommerzielle Nutzung, keine Bearbeitung (BY-NC-CD)