13. November 2013

Wissenschaftler: Aschenputtel-Effekt ist ein Mythos

Bisher gingen die meisten Wissenschaftler vom "Aschenputtel-Effekt" aus.

Der besagt, dass Eltern zwangsläufig schlechter für ihre Stiefkinder sorgen, weil diese ihre Gene nicht weitertragen. Forscher des Max-Planck-Instituts in Rostock meinen aber, dass diese These nicht mehr zu halten ist. Sie stellten fest: Wenn Eltern die Aussicht auf steigenden Wohlstand haben, geht es dem fremden Nachwuchs genauso gut, wie dem eigenen. Für ihre Studie untersuchten die Experten die Sterblichkeit von Kindern in Patchworkfamilien im 17. bis 19. Jahrhunderts. Sie verglichen die ostfriesische Region Krummhörn, die wenig wirtschaftliche Perspektiven bot, mit wachsenden Siedlungen in Kanada. Das Ergebnis: In Krummhörn starben die Kinder deutlich häufiger, wenn eine Stiefmutter einzog. In Kanada hatte das keinen negativen Einfluss. Die Forscher nehmen an, dass die Geschwister in Krummhörn um das Lebensnotwendigste konkurrierten. Die Stiefmutter habe deshalb die Kinder aus der ersten Ehe ihres Mannes vernachlässigt. In Kanada war das nicht nötig, weil für alle genug da war.

Die Studie ist im Fachmagazin "Biodemography and Social Biology" erschienen.

Quelle: DRadio Wissen Lizenz: Creative Commons Licence: Namensnennung, keine kommerzielle Nutzung, keine Bearbeitung (BY-NC-CD)