27. November 2013

Expertin: Psychische Krankheiten sind gesellschaftlich anerkannter - aber Gefahr von Überdiagnose

Die Menschen trauen sich heutzutage eher zu sagen: Ich habe eine Depression.

Das sagt Iris Hauth, designierte Präsidentin der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie. Durch die Medien und auch durch Prominente, die sich geoutet hätten, seien psychische Krankheitsbilder heute anerkannter als früher, erklärte die Ärztin im "Deutschlandradio Kultur". Negativ bewertet Hauth, dass der Leistungsdruck immer höher wird. Es gehe heute nicht nur darum, seine Arbeit gut zu machen, sondern auch noch darum, in der Freizeit viel zu unternehmen. Dieser permanente Druck führe möglicherweise zu mehr Besuchen beim Psychiater.

Die Expertin sieht aber auch die Gefahr, dass überdiagnostiziert wird. Wichtig sei, genau zu unterscheiden: Was sind normale Befindlichkeitsstörungen und was schwere psychische Erkrankungen? Zum Teil seien die Therapieplätze besetzt von Menschen, die ihre Probleme früher mithilfe von Freunden und Familie gelöst hätten.

Der Kongress der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie beginnt heute in Berlin.

Quelle: DRadio Wissen Lizenz: Creative Commons Licence: Namensnennung, keine kommerzielle Nutzung, keine Bearbeitung (BY-NC-CD)