30. Januar 2014
Bei beruflichem Stress oder einer persönlichen Krise nach einem Trauerfall werden Menschen oft zu schnell für krank erklärt.
Das sagte der Direktor der Rostocker Uniklinik für Psychosomatik, Wolfgang Schneider, bei einem Expertentreffen in Mainz. Die Techniker Krankenkasse hatte dazu eingeladen. Schneider zufolge gibt viele soziale Probleme, die eine medizinische Etikette bekommen. Es gibt demnach keine genaue Definition dafür, was noch als normal und was schon als krank gilt. Dass bei immer mehr Menschen eine psychische Erkrankung diagnostiziert werde, könne auch damit zusammen hängen, dass die Schwelle, ab der von einer psychischen Krankheit gesprochen werde, immer weiter abgesenkt würde. Außerdem werden dem Mediziner zufolge immer mehr Krankheitsbilder eingeführt. Ein Faktor sei allerdings auch, dass Menschen inzwischen eher bereit seien, über seelische Probleme zu sprechen.
Der Hochschulprofessor vermutet hinter den steigenden Zahlen steckten auch knallharte Interessen der Pharmaindustrie, von Ärzten und Privatkliniken. Und auch die Medien trügen mit überzogener Berichterstattung zum Anstieg der Fallzahlen bei.
Quelle: DRadio Wissen Lizenz: Creative Commons Licence: Namensnennung, keine kommerzielle Nutzung, keine Bearbeitung (BY-NC-CD)